Vor etwas mehr als 10 Jahren entdeckte ich zwei Dinge ungefähr
gleichzeitig: das Internet und die Jungs. Damals hatte ich meine erste
Homepage – sogar mit richtiger Domain (schrecklich.de) und publizierte dort fleißig meine ersten Werke aus HTML und Javascript. Auf meiner Homepage gab es auch eine Art Blog. Damals gab es das Wort “Blog” noch nicht und ich nannte diese Seite einfach “Was ich gerade so mache.”
Ungefähr zu der Zeit gab es den Christian. Christian ging in meine Stufe und half mir, wenn ich Computerprobleme hatte. Ich erinnere mich, wie er mal zu mir nach Haus kam, um meine alte Festplatte von 2 GB gegen eine neue Platte von 4 GB (W00t!) zu tauschen. Ich war schwer beeindruckt von Christian und kurze Zeit später war er mein erster Freund.
Was es damals auch schon gab, waren Suchmaschinen. Damals gab es sogar noch ein paar mehr als heute, denn heute gibts ja eigentlich nur Google. Und Leute begannen, mal so aus Spaß ihren eigenen Namen dort einzugeben. So begab es sich, daß im hohen Norden unserer Republik jemand seinen Namen eingab, der zufällig exakt der Name von Christian (mit Vor- und Nachnamen) war. Er fand meine Homepage, auf der ich ja so fleißig erzählte was ich gerade so mache und wo natürlich auch mein Christian erwähnt wurde.
Der Christian aus dem Norden fand das irgendwie lustig und schrieb mir eine Email. Ich fand das auch lustig und mailte zurück. Wir mailten ein paar mal hin- und her und amüsierten uns über diesen Zufall und wie peinlich es doch wäre, wenn ich mal eine Email die eigentlich für meinen Freund gedacht war an ihn schicke.
Der Christian aus dem Norden war wie mein Christian und ich Informatiker was uns natürlich viele nerdige Gesprächsthemen bescherte. Wir mailten immer mal wieder, nicht oft, aber regelmäßig, vielleicht so zweimal im Jahr. Auch wenn wir uns nie getroffen hatten, kriegten wir auf diese Weise mit, was der andere gerade so machte. Auch nachdem mein Christian schon lange nicht mehr meiner war, quatschten wir über die Veränderungen im Leben – Beziehungen, die kamen und gingen, das Studium, Auslandsaufenhalte und Familiengründung.
Getroffen hatten wir uns immer noch nicht. Auch nicht telefoniert,
gechattet oder getwittert. Ich hatte es irgendwie nicht in den Norden
geschafft und er nicht ins Rheinland. Aber wir hatten es auch nicht
eilig, wir wußten ja daß in regelmäßigen Abständen mal wieder eine Mail kommen würde.
Aber neugierig war ich natürlich doch. Vor ein paar Wochen, auf der
Durchreise nach Schweden, bot es sich an, in Christians Stadt einen
Zwischenstop einzulegen. Wir traffen uns zum Essen und Kaffee trinken
und schlossen nahtlos an unsere Mails an. Wir quatschten stundenlang
über das Leben, das Geektum und was wir gerade so machen. Als wären wir alte Kumpels. Wobei, eigentlich sind wir das ja auch. Und wie ich uns kenne werden wir die nächsten zehn Jahre einfach ab und zu mal mailen.
Nice!
Schöne Geschichte